Politikinteresse vs. Sozialprobleme.

[16. Februar 2018] Warum gehen arme oder arbeitslose Menschen weniger wählen? Das untersucht Dr. Paul Marx als neuer Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozioökonomie an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Hier setzt der Spitzenforscher seine Karriere über das NRW-Rückkehrprogramm des Wissenschaftsministeriums fort. Der 35-Jährige kehrt der Süddänischen Universität den Rücken, um im Ruhrgebiet den Einfluss sozialer Probleme auf die politische Integration zu verstehen.

Arbeitsmarkt, Reformen in Wohlfahrtsstaaten, politische Teilhabe: Der studierte Politikwissenschaftler überzeugte die Jury mit seinem Werdegang und seinen geplanten Forschungen. Marx setzt sie nun mit einer eigenen Nachwuchsgruppe um und kann dabei auf 1,25 Millionen Euro vom Land zurückgreifen. Er ist damit der zweite NRW-Rückkehrer, der 2017 seine Arbeit an der UDE startete.

„Wir beobachten schon lange, dass Menschen mit Problemen wie Armut oder Arbeitslosigkeit weniger politisch aktiv sind, also zum Beispiel seltener wählen. Wir möchten herausfinden, warum das so ist und wie wir diese Menschen besser politisch integrieren können“, so Marx. Er und sein Team untersuchen dafür vor allem psychologische Mechanismen wie Stress, Stigmatisierung, aber auch Ablenkung durch materielle Sorgen. „Es kann sein, dass Menschen politische Informationen deshalb schlechter sammeln und verarbeiten“, mutmaßt Marx. Experimente, ländervergleichende Statistiken und ethnographische Studien mit dem Schwerpunkt NRW sollen bei der Ursachenforschung helfen.

Marx studierte Politikwissenschaften an der Universität Marburg und der Freien Universität Berlin. Nach seiner Promotion an der Universität zu Köln, arbeitete er zunächst am Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit bevor er an die Süddänische Universität in Odense wechselte.

Die Rückkehr nach NRW fiel dem Politikprofessor leicht. „Es gibt hier viele gute Unis, aber die UDE hat mich vor allem mit ihrem starken interdisziplinären Profil überzeugt, dazu gehört der Schwerpunkt Wandel von Gegenwartsgesellschaften, aber auch das Institut Arbeit und Qualifikation. An der UDE kann ich für mein Projekt viele herausragende Kooperationen mit anderen Disziplinen eingehen.“

Cathrin Becker

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