Was passiert beim Vergessen?

[29. Mai 2017] Lernen ist schwer. Vergessen ist manchmal noch schwerer. Beim Extinktionslernen werden Informationen nicht einfach im Gehirn gelöscht. Aber was passiert stattdessen? Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB) zum Thema Extinktionslernen an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ein. Der SFB baut ganz wesentlich auf einer erfolgreichen DFG-Forschergruppe zum gleichen Thema auf, an der Arbeitsgruppen der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) am Universitätsklinikum Essen bereits federführend beteiligt waren.

Sprecher des neuen Forschungsverbundes ist Prof. Dr. Dr. h. c. Onur Güntürkün von der Fakultät für Psychologie der RUB, Co-Sprecherin Prof. Dr. Dagmar Timmann-Braun von der Neurologischen Universitätsklinik in Essen. Insgesamt fünf SFB-Projekte sind am Universitätsklinikum Essen angesiedelt und zwar in der Medizinischen Psychologie, der Neurologie und dem Erwin L. Hahn Institut (ELH). Die DFG fördert den Sonderforschungsbereich von Juli 2017 an für zunächst vier Jahre.

Menschen und Tiere können sich nicht nur neue Informationen aneignen, sondern auch lernen, dass früher erworbenes Wissen nicht mehr relevant ist. Während der Prozess des Erstlernens sehr gut untersucht ist, sind die Mechanismen des Extinktionslernens bislang nur lückenhaft verstanden. Die Extinktion beinhaltet nicht nur das Vergessen alter Informationen. Sie umfasst auch einen neuen Lernprozess, der das zuvor Gelernte überlagert. Die vermeintlich nicht mehr vorhandene Gedächtnisspur kann unter bestimmten Bedingungen wieder auftauchen und dann Teil von psychologischen Problemen sein, etwa bei Angststörungen.

Im neuen Sonderforschungsbereich werden die neuronalen Mechanismen des Extinktionslernens und seine klinische Bewandtnis untersucht. Das Thema wird auch aus der Perspektive der Entwicklungsbiologie und der Verhaltensforschung – bei Menschen und verschiedenen anderen Spezies und auch bei Robotern – beleuchtet. Die Arbeitsgruppen nutzen ähnliche Testprozeduren, um den Transfer von Wissen und Daten zwischen den insgesamt 17 wissenschaftlichen Teilprojekten zu optimieren. Zusätzlich sind in dem Sonderforschungsbereich erstmals Fokusgruppen vorgesehen, die Daten aus verschiedenen Teilprojekten integrieren und übergeordnet analysieren. Eine befasst sich mit Erkenntnissen aus bildgebenden Studien. Die Medizinische Fakultät der UDE wird darüber hinaus eine eigene Nachwuchsgruppe einrichten, die den SFB zusätzlich stärken wird.

Am SFB sind ebenfalls das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund sowie die Philipps-Universität Marburg beteiligt. SFB-Projektleiter am Universitätsklinikum Essen sind Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch, Prof. Dr. Harald Engler, Dr. Martin Hadamitzky, Prof. Dr. Manfred Schedlowski, Prof. Dr. Ulrike Bingel, Dr. Katarina Forkmann, Prof. Dr. Dagmar Timmann-Braun und Prof. Dr. Harald Quick.

Redaktion: Christine Harrell, Medizinische Fakultät, Tel. 0201/723-1615, christine.harrell@uni-due.de

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