Ansehen ist wichtiger als Strafe.

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Prof. Dr. Gianluca Grimalda / Foto: KHK

[22. August 2016] Wie löst man Probleme zwischen Menschen? Indem man die Kooperationsbereitschaft innerhalb von Gruppen erhöht. Wie sich dies bewerkstelligen lässt, hat ein Wissenschaftler herausgefunden, der bis vor kurzem am Käte Hamburger Kolleg/Centre for Global Cooperation Research (KHK) an der Universität Duisburg-Essen (UDE) geforscht hat. Zusammen mit zwei Kollegen veröffentlichte er nun eine Theorie der Kooperation in der renommierten Zeitschrift Nature Communications. 

Seine wissenschaftlich abgesicherte These lautet: Der Mensch ist dann besonders kooperativ und gemeinschaftsorientiert, wenn er um seinen guten Ruf und das eigene soziale Image besorgt ist. Das ist kein neues Phänomen, sondern scheint sich schon früh in der Evolution herausgebildet zu haben. 

Der KHK-Forscher Dr. Gianluca Grimalda überprüfte seine Theorie mit Dr. Andreas Pondorfer und Prof. David P. Tracer beim Volk der Teop in Papua-Neuguinea. Dort findet man Bedingungen, die denen früherer Zeiten ähneln: Die Teop leben von der Garten- und Feldarbeit, verwenden rudimentäre Werkzeuge. Es gibt keine Industrie, Lohnarbeit ist selten. Zu den Dorfgemeinschaften gehören etwa je 150 Personen mit einem Dorfältesten („Big Man“) als Hüter der Moral. Mit seiner informellen Autorität löst er Konflikte innerhalb der Gemeinschaft und setzt soziale Normen durch. Es zeigt sich: Ist der eigene Big Man präsent, steigt das kooperative Verhalten. Stammt er aus einem anderen Ort, nimmt es ab.

Die Frage ist nun: Können Menschen lernen, den Sinn fürs Miteinander, den sie in ihrem Umfeld zeigen, auch auf die Ebene der Weltgesellschaft zu übertragen, um globale Probleme zu lösen? Mit diesem neuen Zweig der Kooperationsforschung beschäftigt sich das 2012 gegründete KHK. Hier arbeiten Forscher verschiedener Fachrichtungen und aus aller Welt zusammen, um neue Wege zur internationalen Krisenbewältigung und zum Schutz der globalen Gemeingüter zu erkunden. 

Grimalda: „Die Studie zeigt, damit Kooperation gelingt, ist es viel effizienter, den Faktor soziales Ansehen einzubeziehen anstatt auf den Faktor Strafe zu setzen.“ Seine Feldforschung zeigt: Auch wenn die Sorge um das Ansehen innerhalb der eigenen sozialen Gruppe besonders stark ausgeprägt ist, so ist es zugleich ein universelles menschliches Verhaltensmerkmal, sich um sein Image zu kümmern. Die Neigung, nicht-kooperatives Verhalten anderer zu bestrafen, hingegen ist durch die Evolution entstanden, wahrscheinlich aber erst vor relativ kurzer Zeit. 

Die Feldstudie von Grimalda und seinen Kollegen ist eine der ersten in realer Umgebung. Die Beweise, dass sich das soziale Image auf die Zusammenarbeit von Menschen auswirkt, kamen in der Vergangenheit immer aus dem Labor. Dort wurde das soziale Bild einer Person zum Beispiel durch Computersimulationen künstlich geschaffen. 

Weitere Informationen: Gianluca Grimalda, Andreas Pondorfer & David P. Tracer (2016). ‘Social Image Concerns Promote Cooperation More than Altruistic Punishment’, Nature Communications. DOI 10.1038/NCOMMS12288,http://www.nature.com/ncomms/2016/160809/ncomms12288/full/ncomms12288.html 
Tina Berntsen, Käte Hamburger Kolleg/Centre for Global Cooperation Research, Tel. 0203/29861-116, berntsen@gcr21.uni-due.de, http://www.gcr21.org 

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, beate.kostka@uni-due.de

 

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