„Ich liebe das Land.“

deike_ruediger2016[11. Mai 2016] Ab sofort hat er auch ein Büro in Rio, denn Prof. Dr. Rüdiger Deike (57) ist der neue wissenschaftliche Direktor des Verbindungsbüros der Universitätsallianz (UA) Ruhr in Lateinamerika. Zusammen mit dem Büroleiter vor Ort, Dr. Stephan Hollensteiner, kümmert er sich darum, die Kontakte der drei Ruhrgebietsuniversitäten zu den brasilianischen und südamerikanischen Universitäten zu verdichten. Er bringt gute Voraussetzungen mit, denn Land und Leute sind dem Metallurgen bereits sehr vertraut. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann an der TU Clausthal-Zellerfeld. Er bringt aber auch Industrie- und Unternehmererfahrung mit. 2007 übernahm er den Lehrstuhl für Metallurgie der Eisen- und Stahlerzeugung an der UDE. Was er sich zu seiner Ernennung vornimmt, erläutert er im Interview:

Was fasziniert Sie an Brasilien?
Deike: Ich freue mich auf die neue Herausforderung, und sie trifft mich auch nicht unvorbereitet. Ich liebe das Land, sei es die Landschaft, die Natur oder auch die Lebensfreude der Menschen. Wie ansteckend sie ist, weiß ich, seit ich an unserer Uni brasilianische Studierende betreue, die an diversen Stipendienprogrammen wie unter anderem dem Programm „Studieren ohne Grenzen“ teilnehmen. Es fasziniert mich, mit welcher Intensität diese jungen Menschen studieren, und wie hervorragend sie deutsch sprechen. Bei all der Arbeit, die sie hier während des Studiums in einer fremden Sprache leisten, strahlen sie eine beindruckende Freundlichkeit und Lebensfreude aus.

Was nehmen Sie sich für Ihr neues Amt vor?
Deike: In erster Linie geht es mir natürlich darum, unsere Zusammenarbeit mit den brasilianischen und südamerikanischen Universitäten zu stärken und zu verdichten. Wenn sich daraus weitere gemeinsame Forschungsprojekte entwickeln, wäre das ein schöner Beweis, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wichtig ist aber auch, dass wir den gut angelaufenen Studierenden- und Wissenschaftleraustausch weiter entwickeln. Im letzten Jahr war zum Beispiel ein Doktorand der Universidade de São Paulo (USP) für ein halbes Jahr bei uns und hat in unserem Labor geforscht. Meine neue Mitarbeiterin kam über das Programm Studieren ohne Grenzen in die Ruhrregion – und ist wieder gekommen.

Ab sofort kümmert sie sich als Muttersprachlerin um unsere Projekte mit brasilianischen Universitäten und Firmen. Das sind ganz entscheidende Faktoren für das, was wir in der länderübergreifenden Zusammenarbeit erreichen wollen. Derzeit reift ein stabiles Ehemaligen-Netzwerk heran, denn in den vergangenen zehn Jahren kamen viele Studierende aus Brasilien zu uns. Einige blieben hier, andere arbeiten mittlerweile in Europa, wieder andere kehrten nach Brasilien zurück. Ihre gemeinsame Zeit hier, hat sie zusammengeschmiedet. Da entwickelt sich eine ganz andere Art der Kommunikation für ein zukünftiges gemeinsames Arbeiten.

Seit wann steht das Thema Brasilien auf Ihrer Agenda?
Deike: Oh, das reicht weit zurück. Schon 2009 war ich vor Ort, um die wissenschaftliche Kooperation der thyssenkrupp Steel Europe AG mit vier brasilianischen Hochschulen zu begleiten. Dann führte mich ein Projektvorhaben des Bundesforschungsministeriums fünf Jahre später wieder dorthin zusammen mit dem Clausthaler Umwelttechnik-Institut und einer Mülheimer Firma. Die Vorbereitungen sind nun abgeschlossen, Mitte des Jahres geht es los. Wir wollen werthaltige Metalle aus Edelstahlschlacken recyceln. Außerdem war ich im letzten Jahr eine Woche lang in Brasilien, Chile und Peru als Teilnehmer einer Expertendelegation des Forschungsministeriums. Wir haben die Möglichkeiten ausgelotet, ob wir verstärkt auf dem Gebiet der wirtschaftsstrategischen Rohstoffe international kooperieren können.

Setzen Sie dieses Tempo weiter fort?
Deike: Mindestens. Im Schnitt sind zwei einwöchige Aufenthalte pro Jahr geplant. Das muss auch sein, wenn man etwas bewegen möchte.

Wer kann sich künftig mit welchen Anliegen an Sie wenden?
Deike: Wir verstehen uns als Mittler zwischen den beiden Welten: Zusammen mit Dr. Stephan Hollensteiner und den Mitarbeitern in den akademischen Auslandsämtern der UA Ruhr-Universitäten sehe ich uns als erste Adresse für südamerikanische Studierende und Professoren, die sich für die Ruhrgebietsuniversitäten interessieren und mit ihnen in Austausch treten wollen. Zum anderen haben wir natürlich auch ein offenes Ohr für die hiesigen Studierenden und Professoren, die die südamerikanische Universitätslandschaft näher kennenlernen möchten. Wir können ihnen mit unseren Netzwerken dabei helfen, eine Zusammenarbeit anzubahnen oder auch mal ein Auslandssemester auf der anderen Seite des Globus zu absolvieren.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Rüdiger Deike, Tel. 0203/379-3455, ruediger.deike@uni-due.de, http://www.conruhr.net.br/

UA Ruhr-Ansprechpartner: Dr. Hans Stallmann, Tel. 0234/32-27892, hans.stallmann@uaruhr.de, http://www.uaruhr.de

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