CampusFM …klingt anders.

[10. Januar 2016] Sie studieren Kunst, Ostasienwissenschaften, Anglistik oder Philosophie. Sie sind eine bunte Truppe, die Redakteure von CampusFM, dem Uni-Radio für Studis von Studis. Und so ist auch das Programm, das sie machen. Ihr Motto: „…klingt anders!“ Zum Auftakt unserer CAMPUS:REPORT-Serie über studentische Medien hat Amela Radetinac den Sender besucht.

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Unter dicken Kopfhörern und mit dem auffordernden Mikrofon vor sich, tritt sie von einem Bein aufs andere, räuspert sich. Dann das Signal des Moderators – Nane Schwarzkopf beginnt zu sprechen: „Genetische Untersuchungen haben gezeigt, wie sich das Neuroblastom unsterblich macht…“ Die 21-jährige Germanistik- und Philosophiestudentin liest heute zum ersten Mal live die Nachrichten für den Sender der UDE und der Folkwang-Uni.

Nanes feste Stimme verrät nichts von Nervosität oder Aufregung. Und das obwohl ihr gerade eine Million Menschen in Duisburg, Essen und den Nachbarorten zuhören könnten. So weit reichen die Frequenzen 104,5 und 105,6. Städter zwischen 20 und 30, unternehmungslustig und vielseitig interessiert, schätzen das junge Radio.

Ohne sich zu versprechen, gibt Nane wieder ab an
Sebastian Seifert, Vorstandsmitglied, Musik-Chefredakteur und heutiger Moderator der Sendung „Aufgeweckt“, die seit 10 Uhr läuft. Unterstützt von sechs Kolleg/innen, schickt er an diesem Montag zwei Stunden lang Beiträge in den Äther: Verkehrsmeldungen, Informationen aus den Unis, aber auch zum aktuellen Geschehen im Land.

Beflügelt von dem gelungenen Nachrichtendienst verlässt Nane den etwa acht Quadratmeter kleinen, schaumstoffisolierten Senderaum. Ihre Mitstreiter erwarten sie nebenan in der Redaktion. Die ist nicht viel größer, aber vollgestellt mit Schreibtischen, großen Bildschirmen und etlichen Bürostühlen. Die Wände halten Infotafeln und CD-Regale, sind ringsherum gespickt mit bekennenden Radiohead-Sprüchen wie „Ziemlich beste Playlist“ und Merkzetteln: „Bei Facebook angeteasert?“

Ja, schon geschehen! Die heutige Chefin vom Dienst, Jolien Wagner, war damit einige Minuten zuvor beschäftigt. Aus dem engen Raum postete die Germanistikstudentin ein Appetithäppchen raus zu rund 1.250 Fans des CampusFM-Profils. Daniela Bohn feilt derweil noch an ihrem „BmO“. Das ist keine neue Körpermaßeinheit, sondern ein Beitrag mit O-Tönen. Seit 2008 ist sie schon dabei, kennt sich bestens aus mit Aufnahmegerät und Schnittprogramm.

Das nötige Handwerkszeug bringen die erfahrenen Radiomacher den Neuen nach und nach bei. Die müssen zuverlässig sein und Lust haben, sich im Radio auszuprobieren. Jenni Schreder arbeitet seit August mit: „Man fängt ziemlich schnell mit den Service-Themen an.“ Für den Live-Beitrag „Angestellt“, der an diesem Morgen läuft, hatte sie ein Skript mit Jobangeboten vorbereitet und musste es noch kurz vor der Sendung korrigieren. Flexibel zu sein, hilft also.

Wie lernt man Nachrichten sprechen? Nane hat dafür einen Workshop der Landesanstalt für Medien belegt. Die LfM ist auch die Aufsichtsbehörde des unabhängigen Studierenden-Senders. Andere bekamen eine interne Schulung. Eine radiotaugliche Stimme müsse niemand mitbringen, betont Sebastian Seifert. „Man lernt, sie zu entwickeln, richtig einzusetzen und sie auch zu mögen.“ Denn viele hören sich selbst nicht gerne „und sind dann doch positiv überrascht, wie sie im Radio klingen.“

Zwei Sonderthemen hat ihre Sendung, eines müssen sie ganz der Uni widmen. So ist es den Uni-Radios vorgeschrieben. „Das andere Thema ist meist Musik. Wir besprechen Konzerte, stellen Bands vor oder laden sie zum Interview ein – wie demnächst Razz, eine Garage-Rock-Band aus dem Emsland“, sagt Jolien. Keine Band, die Stadien füllt – CampusFM bewegt sich bewusst jenseits des Mainstreams: „Wir spielen nicht das, was bei EinsLive läuft.“ Dafür Indie-Rock und -Pop, Electronica und Hip Hop.

Frische Töne werden dem Team direkt ins Haus geliefert: „88 Singles letzte Woche, von bekannten Künstlern, Studentenbands, von Musikern aus England, Kanada und Australien.“ Bei der montäglichen ‚Abhörsitzung‘ wählt die Musikredaktion ihre Favoriten aus. Die Rota­tionsliste für die Off-Air-Zeit will bestückt werden.

Live ist CampusFM fast täglich zu hören, immer für einige Stunden. Neben „Aufgeweckt“, den Campus-Charts und „Nachgehakt“ (hier geht es um Hochschulpolitik, -sport und Rankings), laufen auch Spezialprogramme: In der „Spielecke“ beispielsweise testen die Studis Unterhalt­sames für die Konsole, den PC, den Wohnzimmertisch – und zocken sich dabei auch mal weit in die Anfänge der Gamer-Szene.

Es wäre noch viel mehr möglich: „Wir haben Sendeplätze frei“, ruft Jolien auf, das zurzeit 35-köpfige Team zu verstärken. „Jeder kann hier was auf die Beine stellen.“ Die ehrenamtliche Arbeit kostet natürlich Zeit, und „man kriegt keine Creditpoints dafür“, bedauert sie – dafür aber Rundfunk-Erfahrung, auf die sie stolz ist.

Gerade gibt Sebastian die Tipps zum „Feierabend“, dem letzten Service-Thema für heute. Es ist 12 Uhr. Er startet die Playlist und die Redaktion setzt sich zum Feedback zusammen. Ihr Fazit: „Eine runde Sendung. Nane hat es gut gemacht, sie war entspannt und souverän“, so die einhellige Meinung, „und sie hat sich nicht mal bei ‚Neuroblastom’ verhaspelt.“

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Mehr: www.campusfm.info
Wer mitmachen will, schreibt an ausbildung@campusfm.info.

 

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