Campuscloud sciebo: „Wissenschafts-Kiste“ für Hochschulmitglieder.

[4. Januar 2016] Die Nutzung von Online-Speicherdiensten, das sogenannte Cloud-Computing, gehört heute für viele Menschen zum Alltag. Der Begriff beschreibt das Bedienen und Abspeichern von Programmen oder Daten über das Internet. Mitglieder der Universität Duisburg-Essen (UDE) können seit Februar 2015 den in Nordrhein-Westfalen betriebenen Dienst sciebo („science box“) kostenfrei nutzen. Doch was bietet so ein Cloud-Speicher, welche Risiken birgt er?

Was das „Rechnen in der Wolke“ eigentlich ist, lässt sich anhand eines einfachen Beispiels verdeutlichen: Bereits das Senden und Empfangen von E-Mails über einen Webmail-Dienst (wie Gmail, GMX, etc.) ist Cloud Computing. Schreibt man eine E-Mail, kann man sie sich im Postausgang immer wieder und unabhängig vom Endgerät ansehen; sie ist also online abgespeichert. Versendet man sie, ermöglicht man einer oder mehreren Personen Zugriff auf das Geschriebene.

Cloud-Speicher bieten die Möglichkeit, Daten vom eigenen Computer in einem entfernten Rechenzentrum zu speichern, sie zu verwalten und auf Wunsch mit anderen zu teilen. Es können sogar Programme darüber bedient werden. Die Nutzer/innen verbinden sich dafür über ihren gewöhnlichen Internetbrowser mit den Servern, also den Rechnern in diesen Zentren, auf denen die Cloud-Computing-Dienste ausgeführt werden.

Vor- und Nachteile von Cloud-Speicherdiensten

Ein großer Vorteil ist, dass Cloud-Computing mit jedem internetfähigen Gerät betrieben werden kann, also über den Computer, aber auch mit dem Smartphone oder Tablet. Die online gespeicherten Daten sind so überall verfügbar, jederzeit abrufbar und können bei Bedarf auch anderen Personen zugänglich gemacht werden. Weiterhin kann ein Cloud-Speicher dazu genutzt werden, Daten extern, und nicht nur auf einem Gerät zu sichern.

Der große Nachteil ist, dass allein die Entscheidung für einen bestimmten Cloud-Speicher eine Herausforderung ist, vor allem bei der Frage nach der Sicherheit persönlicher Daten. Die großen Rechenzentren sind nämlich nicht nur ein begehrtes Ziel für Cyberkriminelle, sondern werden auch oft von Firmen in Ländern betrieben, die nicht den strengen deutschen Datenschutzbestimmungen unterliegen. Manche Anbieter räumen sich sogar Nutzungsrechte für die abgelegten Dateien ein.

Sciebo –Speicherdienst für Hochschulmitglieder

Hier bietet sciebo eine sichere und sogar kostenfreie Alternative. Als Verbundprojekt von „Sync & Share NRW“ und 22 Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen wird der Online-Dienst über drei große Plattenspeichersysteme betrieben, die alle innerhalb des Bundeslandes stehen. Der Service wird durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW gefördert und wurde bereits mit dem EUNIS (European University Information Systems) Elite Award for Excellence 2015 ausgezeichnet.

Diplomingenieur Guido Kerkewitz leitet den Geschäftsbereich IT-Infrastruktur des Zentrums für Informations- und Mediendienste (ZIM) der UDE. Er hat den Entstehungsprozess von sciebo miterlebt und empfiehlt den nichtkommerziellen Dienst allen Studierenden und Mitarbeiter/innen. „Sciebo bietet viele Vorteile“, versichert er. „Jedem Studierenden stehen hier 30 Gigabyte kostenfreier Speicher zur Verfügung. Mitarbeiter/innen der Hochschulen können diesen sogar auf 500 GB erhöhen.“

Insgesamt stehen in den Rechenzentren der Universitäten Münster, Bonn und Duisburg-Essen fünf Petabyte (PByte) Speichervolumen für sciebo bereit. Zur Veranschaulichung: Ein PByte entspricht circa 20 Millionen Aktenschränken voller Text, fünf PByte dem Datenvolumen von bis zu 60 Jahren HD-TV.

Und „Mitmachen ist leicht“, sagt Guido Kerkewitz: Die Erstellung eines sciebo-Kontos über die offizielle Webseite (https://www.sciebo.de/) ist schnell erledigt. „Dazu einfach unter der Rubrik Registrierung die UDE als Organisation auswählen, sich über die Uni-Kennung authentifizieren und ein Passwort einrichten – schon können Inhalte hochgeladen und mit anderen geteilt werden. Mitarbeiter/innen und Studierenden der UDE wird sofort Speicherplatz eingeräumt.“ Dann bietet sciebo alle üblichen Funktionen eines Cloud-Speicherdienstes: Dokumente lassen sich von allen Endgeräten aus synchronisieren. So ist es jederzeit möglich, auf die aktuellste Version zuzugreifen. Das funktioniert weltweit – entweder über den sciebo-Client, ein Programm, das auf dem jeweiligen Gerät im Hintergrund „läuft“ und Daten automatisch aktualisiert, oder auf der Webseite der Campuscloud.

Bisher wird sciebo für Windows 7, Mac OS X 10.7 und neuere Versionen dieser Betriebssysteme angeboten. Außerdem für Linux und als App für Android- und iOS-Systeme.

Sensible Daten – sicher verwahrt

Angestoßen wurde das Projekt übrigens durch eine Bedarfsabfrage an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, deren Zentrum für Informationsverarbeitung (ZIV) die Projektleitung innehat. Und im Gegensatz zu vielen Lösungen anderer Anbieter punktet sciebo besonders auf zwei Gebieten: Zum einen unterliegt der in NRW gehostete Online-Speicherdienst den strengen deutschen Datenschutz- und Datensicherheitsrichtlinien. Zum anderen „wird sciebo von den Hochschulen durch den jeweiligen IT-Betrieb angeboten“, erläutert Guido Kerkewitz. „Und die wollen damit kein Geld verdienen. Auch werden selbstverständlich keine Informationen an Dritte weitergegeben…“ Eine Empfehlung, welche Daten in der Cloud abgelegt werden dürfen, wurde zudem zusammen mit dem Datenschutzbeauftragten der UDE entwickelt.

Wissenschafts-Kiste – auch für Studierende

Dies ist im Bereich der Forschung besonders relevant. Wenn es um Projektdaten und -ergebnisse geht, sollte Datensicherheit an erster Stelle stehen. Die Gewährleistung dieser Sicherheit unterstreicht den Charakter von sciebo. Es ist ein Cloud-Speicher für Forschung und Lehre, daher auch der Name „science-box“ (Wissenschafts-Kiste). Und etwas, das sich für Wissenschaftler/innen eignet, ist natürlich auch für Studierende zu empfehlen. Sie können dort ihre für das Studium relevanten Daten sicher verwahren und die gemeinsame Arbeit in Ordnern für Arbeitsgruppen vereinfacht den Austausch von Informationen.

Schon jetzt ist dieses Gemeinschaftsprojekt der Hochschulen in NRW ein Erfolg. „Die Nutzerzahlen steigen – auch an der UDE.“ freut sich Guido Kerkewitz: „Mittlerweile wird sciebo von über 2.500 Mitgliedern der UDE genutzt – Tendenz steigend.“

Kristine Müller

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